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Anonyme Bestattung oder Friedhofskultur?

Anonyme Bestattungen sind der Trend....

 

Warum ich mich dennoch für Friedhofs- und Trauerkultur einsetzen will? Ist das ein Widerspruch? Anonyme Bestattungen sind preiswert. Sie nehmen deutlich zu. Viele Gemeinden haben inzwischen Überkapazitäten an Bestattungsfläche, da der Trend zur anonymen Beisetzung ungebrochen ist. Es kommen deutlich geringere Kosten für Beisetzung und Grabpflege zustande, nur ein einfacher Sarg für die Verbrennung, ein Pauschalbetrag fürs Rasenmähen. Ist es die bessere, zeitgemäße Lösung?

 

Ich erlebe immer wieder als Trauerbegleiterin, dass die anonyme Bestattung Schwierigkeiten in der Gedenkkultur und Trauerbewältigung mit sich bringt. In einer Großstadt wie Frankfurt wird heute darauf bestanden, dass der genaue Bestattungstermin und Ort dann nicht mehr bekannt gegeben werden. Auch in anderen Städten ist das inzwischen so. Es gibt dann nur noch ein größeres Areal, das z.B. „2018“ heißt. Dass der Verstorbene bestattet wurde, erfährt der trauernde Angehörige über die Rechnungsstellung. An einem Tag werden 30 bis 80 Urnen eingesetzt. Ist das noch würdig?

 

 

Wie gestalte ich dann ein Abschiedsritual? Mache ich vorher eine Trauerfeier mit Sarg oder im Hause der Bestatter? Ich kann nicht mehr miterleben, wie die sterblichen Überreste meines Angehörigen in die Erde eingesetzt werden. Das innere Loslassen, das mit diesem rituellen  Akt einhergeht, kann nicht mehr erlebt werden. Die kostbare Zeit zwischen Tod und Bestattung, für den Trauerprozess so wichtig, findet kein konkretes Ende.

 

 

Als mein Opa starb, hatten meine Großeltern ursprünglich auch den Wunsch nach einer anonymen Bestattung. Sie wollten uns nicht zur Last fallen, keine unnötigen Kosten verursachen. Ich habe dem widersprochen. Mein Großvater und meine Großmutter waren fast 60 Jahre verheiratet. Ich wollte, dass sie auch im Tode nebeneinander ruhen können. Meine Oma war sehr gerührt, dass ich das Grab pflegen und besuchen wollte. Ich wollte nicht, dass sie meterweit getrennt auf einer Wiese verteilt liegen. Ich wollte ihnen einen kleinen Grabstein setzen, ein steinernes Buch. Ihr Haushalt war voller Bücher. Eine einfache kleine Steinplatte mit Namen kostet nur 500 Euro, wenn sie ebenerdig eingelassen wird.

 

 

Bei der Beerdigung der Aschenurne meines Opas habe ich eigenhändig die Erde darüber gegeben, ebenso später bei meiner Oma. Ich hatte einen konkreten Ort, wohin ich gehen konnte in der Trauer. Nicht irgendein Rasenfeld, wo ich mir merken musste, drei Schritte links, 10 Schritte geradeaus. Friedhofsgärtner beobachten, dass auf den anonymen Rasenfeldern immer wieder Blumen abgelegt werden. Wir haben die kleine Trauerfeier mit einem befreundeten Pfarrer gestaltet, danach noch zusammen eine herzhafte Suppe gegessen. Wir waren ein kleiner Kreis. Aber es hat uns gestärkt.

 

 

Inzwischen lebe ich in einem anderen Stadtteil und zahle einen geringen jährlichen Betrag für die einfachste Grünpflege. , ca. 150 Euro. Das ist mir das Andenken an meine Großeltern wert und die Möglichkeit, dort jederzeit wieder hingehen zu können.

 

Es gibt viele Formen von Bestattungen, sie sind so unterschiedlich wie die Kulturen und Menschen. Es ist gut, rechtzeitig mit den Angehörigen zu sprechen, was für eine Bestattung ich mir wünsche. Oft erlebe ich, dass Angehörige in einem Konflikt sind, was sie brauchen für ihren Abschied und was hatte der Verstorbene vielleicht im Voraus verfügt. So gut und hilfreich es ist, viele Dinge im Voraus zu regeln, müssen doch die Angehörigen mit dem Verabschiedungsprozess leben können. Darf ich gegen den letzten Wunsch des Vaters, der Mutter, des Ehemanns usw. entscheiden, weil ich mir eine Trauerfeier oder ein persönliches Grab wünsche, damit ich gut Abschied nehmen kann?

 

Lassen Sie sich den Raum, mit dem Bestatter auch ein paar Dinge zu vereinbaren, die Ihnen gut tun.

 

Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen, was Sie sich für eine Bestattung wünschen und was Sie nicht wünschen. Aber lassen Sie Ihren Angehörigen genug Spielraum, wenn diese in der Trauer eigene Ausdrucksformen benötigen.

 

 

Herzliche Grüße,

 

Monika Müller-Herrmann

 

 

Alle Fotos © 2018 Xian Bodenstein

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