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Urlaubszeit und Trauer

Urlaubszeit und Trauer

 

 

Urlaube für Trauernde – wie fahre ich das erste Mal alleine weg… ohne meinen Partner, meine Partnerin? Das fragen sich viele Witwen und Witwer in dieser Jahreszeit. Der erste Urlaub alleine verunsichert, wirft viele Fragen auf. Manche vermeiden es ein, zwei Jahre lang ganz, in Urlaub zu fahren, manche reisen sehr schnell nach dem Tod des Partners / der Partnerin, um sich abzulenken. Doch die Trauer reist mit und wartet auch zu Hause in der leeren Wohnung wieder.

 

 

Heute gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, diese Frage zu lösen. Die besonders mutige Art ist, bewusst alleine wegzufahren. Eine Witwe, die das machte, erzählte mir später: Als sie in das Hotelzimmer kam und dort ein Einzelbett sah, wären ihr die Tränen in die  Augen gestiegen. Auch im Restaurant abends alleine am Tisch zu sitzen, wäre schwierig für sie gewesen. Dennoch sei es ein sehr wichtiger Schritt in eine neue Selbständigkeit gewesen.

 

 

Eine andere Witwe erzählte mir, dass sie bewusst immer Gruppenreisen buchte. So käme sie mal raus, wäre nicht ganz alleine, sähe mal was Neues und manchmal ergäben sich nette neue Kontakte. Aber als sie dann nach einer angeregten Woche wieder alleine nach Hause kam in die leere Wohnung, wäre ihre Stimmung wieder nach unten gegangen.

 

 

Auch der Ort, wohin Witwen und Witwer reisen, ist ganz unterschiedlich gewählt. Manche fahren bewusst an einen Ort, wo sie schon viele gemeinsame Urlaube mit dem verstorbenen Partner/in erlebt haben und pflege die Erinnerungen, auch wenn es weh tut. Andere suchen bewusst neue Orte auf, weil die alten Orte so mit schmerzhaft schönen Erinnerungen besetzt sind.

 

 

Ein Trauerurlaub will gut geplant sein. Es ist wichtig, ein paar Telefonkontakte von guten Freundinnen und Freunden mitzunehmen, um im Notfalle, wenn die Trauer oder die Einsamkeit zu groß ist, anrufen zu können. Ebenso ist es heute möglich, spezielle Trauerreisen zu buchen mit behutsamem seelsorgerlichem oder therapeutischen Begleitangebot. Diese sind oft teuer. Manchmal ist die Begleitung tröstlich, manchmal wühlt sie mehr auf.

 

 

Wenn Sie als Trauernde reisen, ist es wichtig, einen Plan B zu haben. Gute Bücher oder den E-Reader mitzuhaben, Kopfhörer mit Musik, notfalls von zu Hause aus schon ein Freizeitprogramm zu planen und zu buchen, und sich im äußersten Falle auch zu erlauben, die Reise abzubrechen.

 

 

Wer 30 oder 50 Jahre lang nur zu zweit in Urlaub gefahren ist, betritt mit der ersten Reise alleine großes Neuland. Es ist ein mutiger Schritt, und es können sich sowohl  Gefühle von Trauer und Verzweiflung wie von großer Freiheit einstellen. Manche brauchen dafür mehr Geländer, manche wagen den Sprung. Sehr hilfreich kann es sein, sich vor dem Urlaub ein paar Stunden Trauerbegleitung zu gönnen und sich die Zeit zu nehmen, sich gut auf den ersten Urlaub mit der Trauer vorzubereiten.

 

 

Wenn Sie in Trauer sind, wünsche ich Ihnen schöne erholsame Urlaubstage, sei es alleine oder in einer Gruppe, mit anderen Freunden oder Verwandten,

 

 

Monika Müller-Herrmann

 

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