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Fortbildung in Sterbebegleitung in einem Altenpflegeheim

Der erste Termin....

 

Angemeldet waren 10 Personen inklusive Hausleitung, teils Pflegekräfte, teils Betreuungskräfte. Der erste Termin wurde storniert, dann verschoben. Als ich zum neu vereinbarten Termin komme, werde ich gefragt, brauchen Sie denn überhaupt einen Beamer? Wir sind so eine kleine Gruppe. Ich stehe in einem kleinen, quadratischen Raum, es geht nur eine der beiden Lampen,  der Tisch ist mit Kaffeetassen gedeckt für 6 Personen. Ich sage, nein, wenn die Runde so klein ist, nehme ich keinen Beamer, aber dann bitte eine Flipchart.

 

 

Wir fangen mit vier Teilnehmerinnen an, später kommt noch eine fünfte dazu. Die Hausleitung hat keine Zeit, aus verständlichen Gründen, nimmt sich aber sehr  gerne die handouts mit. Von der Pflege kommt auch niemand. Zwei der Betreuerinnen sagen sehr schnell, dass sie Angst vor der Fortbildung haben. Das Thema Sterbebegleitung macht Angst. Ich habe Angst, dass ich weinen muss, sagt eine. Tatsächlich hat es viele Sterbebegleitungen gegeben in den letzten Monaten. Ich kann das nicht, am Bett sitzen und eine Hand halten, sagt eine andere. Danach muss ich immer so weinen.

 

 

Ich stelle das Programm um, erzähle von letzte Hilfe Themen, alle lutschen mal an den Mundpflegestäbchen, machen sich gegenseitig eine Handmassage, benutzen einen Lippenfettstift. „Das sind ja ganz einfache Dinge, da kann ich ja wirklich helfen?!“ Ist die Erkenntnis. Ich erkläre den Unterschied zwischen SAPV Team und Hospizgruppe, sie wüssten nicht, welche Hospizgruppe für das Haus zuständig wäre. Wir besprechen das Thema Therapiezieländerung. Wie erkennt man, dass jemand sterbend ist? Was bedeutet „palliativ“? Sie meinen, es müsste jemand nicht nur krank sein, sondern auch einen Leidensdruck haben. Ich erkläre die Faustregel, ab einer Lebenserwartung von unter einem halben Jahr sollte mit palliativen Maßnahmen begonnen werden. Sie können es sich nicht vorstellen. Eine depressive Bewohnerin hat auch Leidensdruck, es fehlt aber das Kriterium der kurzen Lebenserwartung. Der Unterschied wird klar.

 

 

Eine Frau berichtet, dass eine Sterbende immer wieder den Labello benutzen wollte, jetzt versteht sie es. Eine andere berichtet, dass eine Sterbende mit ihr beten wollte, sie es aber wegen der Konfessionsgrenzen nicht schaffte, mit ihr zu beten. Wir besprechen, wo die Gebetbücher für den Gottesdienst aufbewahrt werden, damit sie sich das nächste Mal eines holen kann.

 

Wir besprechen, was in einen letzte Hilfe Koffer gehört, den die Betreuungskräfte sich anlegen könnten.  Dann frage ich sie, was sie sich für das nächste Mal wünschen. Ein zweiter Termin ist geplant. Da gibt es doch so Phasen des Sterbens? Können Sie das bitte noch mal erklären? Ich erkläre das gute, alte Kübler-Ross Modell. Einige haben noch nie davon gehört und arbeiten jetzt schon vier Jahre in dem Haus. Wir diskutieren die Vor- und Nachteile des Modells, dass es auch oft missverstanden wurde, aber sie sind begeistert, das mal gehört zu haben.

 

 

Für das nächste Mal wünschen Sie sich mehr zur Sterbebegleitung bei Demenz und was sie bei averbalen Bewohnern machen könnten. Eine Teilnehmerin muss weinen, als sie von einer Bewohnerin erzählt, die in ihrem Urlaub starb, von der sie sich nicht mehr verabschieden konnte. Am Ende der kleinen Fortbildung sind alle begeistert. Ich bin jetzt nicht mehr so hilflos, meinen sie.

 

Am Ende kommt die Hausleitung vorbei. Eine Anwesenheitsliste mussten wir nicht führen. Es tut ihr ernstlich leid, dass sie die Fortbildung verpasst hat. Vielleicht schafft sie es das nächste Mal…

Fortsetzung folgt!

 

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