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Unterschiede in der ehrenamtlichen Trauer- und Sterbebegleitung

Unterschiede in der Trauer- und Sterbebegleitung im Ehrenamt

 

In der Trauer- und Sterbebegleitung im Ehrenamt gibt es viele Gemeinsamkeiten. Auf beides bereitet eine Schulung vor, deren Kosten in der Regel vom Hospizdienst übernommen werden. Manchmal müssen die potentiellen Ehrenamtlichen auch einen Eigenanteil zahlen und dann nach einer gewissen Zeit der freiwilligen Selbstverpflichtung diesen Betrag wieder erstattet zu bekommen.

 

 

Ehrenamtliche, die eine umfangreiche Schulung vom Hospizdienst vollständig geschenkt bekommen, müssen oft eine Verpflichtung unterschreiben, sich danach ein, zwei oder drei Jahre ehrenamtlich in dem Verein aktiv zu engagieren.

 

 

Beide Schulungen enthalten Elemente der Wissensvermittlung, Methodenkompetenz, Einüben von Fähigkeiten und ganz viel Selbsterfahrung. Eine menschliche Offenheit und ein Sicherheitsabstand zum letzten persönlichen Trauerfall von ca. 1-2 Jahren sind sinnvoll.

 

 

Gemeinsam ist auch, dass eine Begleitung der Begleiter im Einsatz durch Fachkräfte, Supervision, Fallbesprechungen und gemeinsame anschließende Weiterbildung erfolgt.

 

Was sind nun die Unterschiede?

 

Ehrenamtliche Sterbebegleitung

 

Die ehrenamtliche Sterbebegleitung richtet sich an Sterbende und ihre Angehörigen. Angehörige sind von Anfang an mit einbezogen und kommen gemeinsam in den Blick.

 

 

Die Fachkräfte und die Ehrenamtlichen, die Berater und Begleiter kommen in der Regel zum Sterbenden. Sterbende suchen in der Regel keine Beratung mehr aktiv auf, wenn sich auch manche Palliativpatienten sehr frühzeitig um Beratung bemühen. Sterbebegleitung findet immer an dem Ort statt, wo der Sterbende lebt, also im Pflegeheim, Hospiz, Krankenhaus oder eben zu Hause. Es handelt sich also um ein aufsuchendes Arbeiten.  Die Kommunikation ist weniger offen, es gibt immer wieder Phasen der Verdrängung. Die Verdrängung ist eine mächtige, menschliche Schutzkraft in dieser existentiell so bedrohlichen Situation.

 

 

Konkrete Hilfe, Tipps und Ratschläge passen evtl. zur Situation.  Die Fachkräfte erbringen Beratung zu Schmerztherapie, Pflegetipps, Organisation ambulanter Hilfen. Auch die Ehrenamtlichen sind oft tatkräftig und praktisch tätig.

 

 

Körperkontakt kann stimmig sein. Eine Hand halten, eine Fuß- oder Handmassage, sogar das behutsame Anreichen von Essen und Trinken kann hier stimmig und sinnvoll sein, wenn es zugelassen werden kann und gewünscht ist.  Die Sterbebegleitung soll helfen, Abschied zu nehmen. Der oder die Sterbende nimmt Abschied von seinem Leben und die Familie, Angehörigen und Freunde und Freundinnen nehmen Abschied vom Sterbenden.

 

 

Offene Themen können oft noch mit dem Sterbenden besprochen oder ausgesprochen werden. Solange der Sterbende noch lebt, gibt es ein offenes Ohr, in das gesprochen werden kann. Selbst wenn der Sterbende nicht mehr spricht, kann ich noch am Bett sitzen, noch mal ausdrücken, wie viel Liebe ich empfinde, ein Verzeihen und Versöhnen aussprechen oder eine Bitte äußern.

 

 

Eine wichtige These der Trauerbegleitung ist: Die vorweggenommene Trauer während des Sterbens ist anders als Trauer nach dem Tod. Nach dem Tod ist die Trauer qualitativ anders, eine ganz andere Endgültigkeit wird jetzt spürbar und andere Prozesse kommen zum Tragen.

 

 

Ehrenamtliche Sterbebegleitung ist meistens Einzelbegleitung. In der Regel geht ein*e Ehrenamtliche alleine in die Familie, selten zwei Ehrenamtliche gemeinsam. Während das SAPV Team im Team arbeitet, die Koordinator*innen ebenfalls, sind ehrenamtliche Sterbebegleiter*innen oft sehr mutige, unerschrockene  Menschen, die alleine in diese Familien gehen, aber immer mit Rückbindung an die Gruppe. Die Fallbesprechung und Supervision hat daher auch hier eine andere Dynamik als im Trauercaféteam, da es eben meistens eine Einzelfallbesprechung ist.

 

 

Das Ende der Begleitung ist durch Tod markiert. Manche Ehrenamtliche gehen noch mit zur Beerdigung, andere gehen noch zu ein, zwei Kondolenzbesuchen nach Hause. Der Wunsch der Koordinator*in ist jetzt meistens, dass der/die Ehrenamtliche  sich jetzt zurückzieht und eine Pause nimmt. Danach kann er oder sie wieder für eine neue Begleitung zur Verfügung stehen. Manchmal fällt es Ehrenamtlichen schwer, sich wieder aus der Familie zu lösen, ja sie wollen selbst die Trauerbegleitung gleich anschließen. Dies ist aber eine andere Aufgabe, die von jemand anderem übernommen werden sollte. Denn der / die ehrenamtliche Sterbebegleiter*in ist ja evtl. selbst in Trauer begriffen.

 

 

Ehrenamtliche Trauerbegleitung

 

Die Trauerbegleitung von Hospizdiensten richtet sich an Trauernde und beginnt in der Regel nach dem Tod. Es ist nicht sinnvoll, Trauerangebote für pflegende Angehörige mit vorweggenommener Trauer und für Trauernde nach dem Tod in einem Gruppenangebot zusammen zu fassen.

 

 

Die Trauerenden kommen in der Regel zur Beratung, es ist keine aufsuchende Beratung. Trauernde sollen sich ja auf den Weg in einen neuen Lebensabschnitt machen, müssen Eigeninitiative zeigen und sich auf den Weg machen. Nur in ganz seltenen Fällen von körperlich immobilen Patientinnen wird Trauerbegleitung aufsuchend angeboten. Dann ist es sehr schwer, die Begleitung sinnvoll abzuschließen, da sie oft in einen Besuchsdienst für einsame Menschen übergeht.

 

 

Die Gespräche mit Trauernden zeigen eine relativ offene Kommunikation. Auch wenn der/die Verstorbene anfangs sehr idealisiert wird, ist es eine wichtige Aufgabe des/der Trauernden, den Verlust zu realisieren, zu akzeptieren, zu integrieren und irgendwann zu einer realistischen Bewertung der Beziehung zurückzufinden.

 

Trauerberater*innen sollten eher keine Ratschläge geben. Empathisches, aktives Zuhören ist gefragt. Eine suizidale Krise oder eine andere Art der Selbstgefährdung erfordert aber ein Eingreifen und aktives Handeln.

 

In der Trauerbegleitung sollten die Begleiter*innen eher weniger Körperkontakt anbieten. Auch wenn oft der Impuls kommt, die Trauernden durch Körperkontakt trösten zu wollen, in den Arm nehmen zu wollen, ist es oft für die Trauernden selbst nicht stimmig. Ein freundlich gereichtes Taschentuch, ein liebevoller Blick, ein offenes Ohr, das gemeinsame Aushalten der Trauer kann hier viel stimmiger sein.

 

 

Trauerarbeit ist ressourcenorientiert. Auf dem Weg zurück ins Leben geht es ganz stark um die Ressourcen. Wo gibt es noch gute Kontakte und Freundschaften? Wie kann jetzt eine gute Selbstfürsorge aussehen? Welche Hobbys können widerbelebt werden, was kann helfen, eine kleine Form von Genuss, Lebensqualität und Lebensfreude ins Leben zurück zu bringen? Was ist mit Humor, mir Spiritualität und Religion, was ist mit Musik, Sport und Bewegung?

 

 

Versäumnisse können nicht mehr mit dem Verstorbenen besprochen werden. Durch den Tod ist eine Endgültigkeit eingetreten, die die Kommunikation verändert. Es gibt Hilfsmittel wie innere Zwiesprache, nächtliche Träume, Briefe an Verstorbene schreiben, Fantansiereisen, ja manche Trauernde gehen in ihrer Verzweiflung auch zu einem Medium und zum Abhalten von Seancen. Dennoch ist der direkte Kontakt nicht mehr möglich.

 

 

Ehrenamtliche Trauerbegleitung ist selten Einzelbegleitung, sondern meistens Begleitung in Gruppenangeboten. Die ehrenamtlichen Trauerbegleiter*innen arbeiten in Gruppenangeboten wie z.B. einem Witwer- und Witwenstammtisch, einem Trauercafé, bei einer Trauerwanderung, bei gemeinsamem Trauerfrühstück usw. Insofern hat die Supervision und die Teambesprechung auch eine andere Dynamik, weil es auch Teamdynamik gibt. Es gibt nicht nur Fallbesprechungen, sondern evtl. auch vermehrt Teamkonflikte. Es gibt einen Dienstplan, wer wann welchen Dienst übernimmt, z.B. den Kuchen besorgt oder backt, den Tisch deckt, das Gespräch leitet, die Begrüßung an der Tür macht usw.

 

 

Eine Bewusste Gestaltung des Endes der Begleitung ist wichtig. Hier gibt es kein natürliches Ende der Begleitung, das durch den Tod markiert ist. Wann Trauernde sich aus der Begleitung zurückziehen, ob sie es in der Einzelbegleitung offen thematisieren oder ob sie einfach immer seltener kommen und irgendwann ganz wegbleiben und nicht mehr ins Trauercafé kommen, das haben die Begleitenden nicht in der Hand. Gerade bei den Gruppenangeboten ist ein langsames Ausdünnen des Kontakts nicht untypisch.

 

Während Schulungen in ehrenamtlicher Sterbebegleitung oft von den Hospizdiensten selbst angeboten werden, während Schulungen in ehrenamtlicher Trauerbegleitung oft von externen Kräften angeboten.

 

Auch in der Praxis Müller-Herrmann gibt es zweimal jährlich einen Kurs in ehrenamtlicher Trauerbegleitung. Falls Sie sich dafür interessieren, kommen Sie gerne auf mich zu. Für die Schulung als ehrenamtlicher Hospizbegleiter wenden Sie sich am Besten direkt an einen Hospizdienst oder an ein Hospiz.

 

Monika Müller-Herrmann

 

 

 

 

 

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