War Deine Gründung etwa gar nicht erfolgreich, wenn Du nur in Teilzeit selbständig bist?
Was ist eine erfolgreiche Gründung, in Teilzeit oder in Vollzeit? In einem Gründungsworkshop fragte mich neulich eine Teilnehmerin, ob meine Gründung gar nicht erfolgreich war, da ich jetzt in Teilzeit selbständig bin und anfangs in Vollzeit gegründet habe.
Wenige Menschen haben eine Vorstellung, wie viel Mut es kostet, in Vollzeit zu gründen. Ich habe es 2017 getan. Ich wollte es und ich musste es, denn niemand hätte mir damals die Chance gegeben, in Teilzeit in dem gleichen Metier selbständig tätig zu sein wie meine Festanstellung. Ich habe mit Gründungszuschuss gegründet, da musst Du in Vollzeit gründen, sonst bekommst Du den Zuschuss nicht. Und ich hatte den Break even schon nach einem halben Jahr erreicht. Das war schnell. Dennoch bedeutet, in Vollzeit gründen, dass Du viele Reserven opferst, in Vorleistung gehst, länger in einer leeren Praxis sitzt, die Gelder erstmal schrumpfen können. Du musst viel Mut dazu haben. Ich habe damals zum ersten Mal in meinem Leben einen Gründungskredit beantragt, und den dann fünf Jahre ratenweise abbezahlt.
In Vollzeit gründen heißt, Du gehst von Anfang an auf volles Risko, hat volle Kosten, sehr hohe Versicherungen zu zahlen und hast, das ist leider die Realität, oft im ersten Jahr nicht gleich die Einnahmen, die Du Dir erhoffst. Ich habe es gemacht, ich habe es durchgezogen, bin ins kalte Wasser gesprungen und es war sehr, sehr aufregend. Ich habe einen Praxisraum angemietet, habe Werbung geschaltet, viele Fortbildungen in Marketing gebucht, hohe Sozialversicherungsbeiträge gezahlt und mich auch fachlich permanent weitergebildet.
Als die Teilnehmerin im Gründungsworkshop mich fragte, warum ich denn heute eine Teilzeitbeschäftigung hätte, dann wäre meine Gründung ja gar nicht erfolgreich gewesen? Da habe ich nicht lange überlegt und einfach sehr authentisch gesagt, dass mein Mann vor drei Jahren dement wurde, wir für die Pflegekosten fast alle Reserven aufbrauchen mussten und ich dann wieder mehr Sicherheiten brauchte. Das hat die fragende Person betroffen gemacht. So eine ehrliche, persönliche Antwort hatte sie nicht erwartet.
Ja, ich habe mir den Wunschtraum erfüllt von mehreren Jahren Vollzeitselbständigkeit, es war mein Wunschtraum, und ich musste mich schmerzlich wieder davon verabschieden. Vielleicht sieht es in ein, zwei Jahren wieder anders aus. Es gibt Lebensereignisse, die Du nicht in der Hand hast, die Dich zwingen, anders zu entscheiden, andere Wege zu gehen. Unternehmerin sein bedeutet, Entscheidungen zu treffen, die notwendig sind, auch wenn sie unbequem sind.
Aber wer sagt denn, dass Gründung in Teilzeit keine erfolgreiche Gründung ist? Ich mache mit meinem Teilzeitunternehmen weitaus mehr Umsatz als mit meiner Festanstellung. Es gibt mir die Möglichkeit, mein Wissen, meine Erfahrung, meine Bücher, meine Dienstleistungen in die Welt hinauszubringen. Ich tue es gerne. Und ich genieße es, ein eigenes Business zu haben. Es bedeutet mir sehr viel, dass mein Unternehmen nach acht Jahren mit Praxis, Akademie und Online Coaching Raum immer noch am Start ist, nicht nur überlebt hat, sondern einen guten Namen hat.
Ungefähr die Hälfte aus meinem Gründungskurs haben gar nicht gegründet. Von der Hälfte der Personen, die gegründet haben 2017, sind nur noch zwei Personen weiterhin selbständig tätig. Eine davon bin ich. Darauf kann ich stolz sein.
Ich arbeite mit Festanstellung und Selbständigkeit 40-50 h pro Woche (Soviel zur Faulheit der Teilzeitangestellten!). Es gibt viele Hürden für Selbständige in diesem Land, ob es die Versicherungslast ist, die Tatsache, dass junge, selbständige Frauen keinen bezahlten Mutterschutz haben, der Kampf mit der Scheinselbständigkeit, die vielen Regularien und Bestimmungen, mit denen wir Unternehmer und Unternehmerinnen tag-täglich zu kämpfen haben.
Ich muss mich auseinandersetzen mit Umsatzsteuern, mit Buchhaltung, mit E-Rechnungspflicht, mit Marketing, mit Bedingungen des Zahlungsverkehrs, mit Rechnungsstellung, also mit ganz, ganz vielen Dingen, die einen Angestellten nicht interessieren müssen.
Ich habe Verdienstausfall, wenn ich krank bin oder Aufträge absagen muss. Aber ich habe eine ganz große Freiheit, ich kann kreativ sein, mein Wissen in die Welt bringen, Menschen etwas wirklich geben, Bücher schreiben, Kurse halten, Menschen beraten in meinem Takt und zu meinen Bedingungen. Ich darf mir in der Freiberuflichkeit meine Kunden und Klientinnen aussuchen, ich darf entscheiden, ob ich in Präsenz oder online arbeiten möchte. Ich darf ganz neue Formate ausprobieren. Ich darf neue Themen setzen. Jenseits des Mainstreams neue Angebote und neue Fortbildungen machen.
Ich bereue es nicht einen Tag, dass ich mich selbständig gemacht habe und drangeblieben bin. Denn darum geht es, auf lange Sicht dranzubleiben. immer wieder aufstehen, Staub abschütteln, Krone richten, weitergehen. Sich immer wieder neue Ziele setzen, sich neu erfinden, neu entwickeln. Ich bin heute eine Unternehmerpersönlichkeit. Und ich entwickele mich und meine Angebote immer weiter. Und darauf bin ich stolz.
Wie siehst Du das? Ist Teilzeit Selbständigkeit oder Vollzeitselbständigkeit besser? Ist Gründen in Teilzeit oder einer Selbständigkeit in Teilzeit ein Manko? Oder bietet es mehr Sicherheit? Oder engt Selbständigkeit in Teilzeit mehr ein? Hast Du den Mut zu gründen und dranzubleiben? Buche ein erstes Gründungscoaching bei mir!

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