Hier gibt es ein nagelneues Trauer-Express-Angebot, fünf Minuten Express-Intensiv-Trauern mit Taschentuch Flatrate, und Sie sind alle Sorgen los... Sie trauern einmal fünf Minuten ganz heftig, heulen, was das Zeug hält, sind dann aber Ihre Trauer endlich los? Wer hätte sich das nicht einmal gewünscht, so ein Trauer-Express-Angebot. April, April, Sie haben es geahnt. Wir wissen im Grunde alle, so schnell geht es nicht. "Wie lange dauert es, bis Sie mich wieder hinkriegen?" fragte mich einmal ein junger Witwer. Er wollte innerhalb eines halben Jahres im Beruf wieder gut funktioneren können, für die Kinder musste er sofort da sein, jeden Tag, rund um die Uhr.
April, April – heute oder gestern schon auf einen Aprilscherz reingefallen? Sind Witze über Sterben, Tod und Trauer erlaubt? Z.B. dieser Witz: Begegnen sich eine alte Ehefrau und eine alte Witwe auf dem Friedhof, die trauernde Witwe gießt das Grab ihres Ehemannes. Sagt die alte Ehefrau zu ihr „Du hast es gut, Du gießt ihn schon. Ich muss noch für ihn kochen und putzen!“
Wir Trauerbegleitende und auch Palliative Care Kräfte lieben oft schwarzen Humor. Als ich zu meiner Kollegin sagte: „Ich gehe zur Planungssitzung für den Tag des Friedhofs zum Hauptfriedhof…“ , sagte sie spontan: „Pass auf, lass Dich nicht einäschern!“ Meine Kollegin und ich haben herzhaft gelacht. Für Menschen aus anderen Berufsgruppen wirkt das befremdlich. Meine Kollegin vom Seniorentreff, die daneben stand, meinte irritiert: „Ihr habt ja einen sehr schwarzen Humor?!“ Wir mögen die Witze über den kleinen Tod, der plötzlich vor der Türe steht und sagt: "Keine Angst, ich komme nur wegen des Kanarienvogels!?"
Wir wirkt das auf die Trauernden, die wir begleiten? Sind Humor und Trauerbegleitung vereinbar? Wenn trauernde Menschen über sich selbst lachen können, gewinnen Sie eine heilsame Distanz zu ihrem Trauererleben. Ein humorvolles oder ironisches Angebot sollte behutsam geschehen, mit Respekt, Achtsamkeit und Augenzwinkern.
Welche Übungen nutzen besonders den Humor in der Trauerbegleitung?
Ein junger Witwer hatte immer wieder Angst, sich Urlaub mit seinen Kindern zu erlauben, beide Omas rieten permanent davon ab, wollten mitfahren, ihn entlasten. Wir machten irgendwann gemeinsam Witze über seine Urlaubziele (zu heiß, zu kalt, zu warm, zu langweilig, die Vulkane, die Pollen…). Er konnte dann selbst lachen über die Überbesorgtheit der älteren Generation, die es ihm zusätzlich erschwerte, einfach mal Urlaub mit den Kindern zu planen. Ironiehafte Übertreibung, die etwas ins Absurde treibt, kann manchmal helfen. Aber sie sollte taktvoll, behutsam geschehen.
Wir haben in unserer Trauergruppe immer wieder mal die Hitliste der 10 sorgenvollsten Gedanken aufgeschrieben und diese dann verfremdet und ganz anders abmoderiert, z.B. als Hitparade: „Auf Platz 1 der Hit, nicht wieder wählen, schon dreimal dabei, der Gedanke „Ich kann ohne Dich nicht leben!“. Auf Platz zwei der Evergreen „Du fehlst mir“ Auf Platz drei: „Wie soll ich ohne Dich klarkommen?“ Diese schreibtherapeutische Übung aus der Akzeptanz Commitment Therapie braucht viel Mut, ist eher etwas für die fortgeschrittene Trauer, kann aber in ein sehr erlösendes Lachen münden.
Andere moderieren ihre 10 Sorgengedanken als Kinotipp, als Fußballbericht, als Rennsportkommentar eines Pferderennes. Es ist eine sehr kreative Übung. Wichtig dabei ist, wie bei allen Übungen in Trauergruppen und Seminargruppen, dass jede Übung ausgelassen werden darf. Nicht jedem und jeder ist nach ironischer Distanzierung zumute. Das merke ich auch immer wieder, wenn ich die Übungen in meinem Tagsworkshop zur Schreibtherapie vorstelle und zur Selbsterfahrung anbiete.
Ein Witwer erzählte mit viel Humor, Ironie und Melancholie, wie er sieben mal Gurkensalat machen musste, bis er annähernd so gut schmeckte wie der Gurkensalat seiner verstorbenen Frau. Eine Witwe erzählte, wie sie drei, viermal auf die Leiter stieg, in den Baumarkt fuhr, bis es ihr gelang, die Lampe im Badezimmer endlich mit der richtigen Leuchte zu versehen. Dann hätte sie sich einen Sekt aufgemacht. Wir konnten alle miteinander in der Trauergruppe über diese tragikkomischen Erlebnisse der Trauernden zusammen lachen.
Humor hilft, Abstand zu gewinnen. Wenn ich über mich und die Tragik des Momentes gleichzeitig lachen und weinen kann, wird der Raum frei für neue Gefühle. Leider ist das kein Express-Angebot in fünf Minuten.
Was denkst Du über Trauer und Humor? Wendest Du es an in der Trauerbegleitung? Wie geht es Dir als Trauernde:r damit? Magst Du auch schwarzen Humor?

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Martina Hahn (Mittwoch, 01 April 2026 08:28)
Liebe Monika!
Herzerfrischende Zeilen und so treffend! Gerade heute am 1.April! Leider sind die Geschehnisse in der Welt kein Scherz. Den einen trauernden Menschen mag das (auch) beunruhigen, der andere mag sagen, wie gut dass das die/der Verstorbene nicht mehr mitbekommt… Dir wünsche ich ein besonders gutes Osterfest und weiterhin sehr viel Kraft für deine persönliche Herausforderung, damit du uns alle weiterhin so gut unterstützen kannst!
Monika Müller Hermann (Mittwoch, 01 April 2026 08:44)
Liebe Martina, danke für deine lieben Ostergrüsse und Dir auch frohe Ostern!
Liebe Grüße aus Frankfurt Niederursel
Monika
Daniela limbach (Mittwoch, 27 Mai 2026 22:52)
Mein mann ist am 19.01.2026 an leukämie gestorben habe angst seit dem einzuschlafen weil ich ständig von ihm träume wach werde und es weh tut obwohl ich weiss da wo er jetzt ist keine schmerzen mehr hat und an seinen lieblingsort ist in der nordssee eine seebestatung und er hätte nicht gewolkt das ich traurig bin aber ich versteh nicht warum ich träume und es inmer so weh tut was kann ich tun bitte um antwort
Monika Müller-Herrmann (Donnerstag, 28 Mai 2026 20:17)
Liebe Frau Limbach,
mein herzliches Mitgefühl zum Tod Ihres Mannes. Dieser Artikel hier war ein Scherzartikel zum 1. April. Hier auf der Seite gibt es einen anderen Blogartikel, der sich ernsthaft mit dem Thema Träume von Verstorbenen auseinandersetzt. Ich kann Ihnen auf einen kurzen Text hin nicht so viel sagen außer, dass Sie sich am besten eine Trauerbegleitung bei sich in der Nähe suchen. Auf der Homepage des Bundesverbands Trauerbegleitung finden Sie viele Trauerbegleiter:innen, ebenso in den Hospizdiensten in Ihrer Nähe. Ich kann Sie auch beraten, allerdings nur online. Der seelische Schmerz nach dem Aufwachen, wenn Sie von Ihrem Mann geträumt haben, ist Teil des Trauerprozesses und der Verarbeitung.
Mit herzlichen Grüßen
Monika Müller-Herrmann