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Selbsterfahrung im Seminar - mit Symbolarbeit oder Schreibtherapie?

Warum ich in meinem Trauerbegleitungskurs heute mehr auf Schreibtherapie als auf Symbolarbeit setze

 

Das Curriculum für den Grundlagenkurs Trauerbegleitung, den ich seit 2018 zweimal im Jahr anbiete, hat sich in diesen Jahren dreimal gewandelt. Ich habe dreimal ein neu überarbeitetes Curriculum beim Bundesverband Trauerbegleitung eingereicht, um wieder zertifizierte Anbieterin dieses Grundlagenkurses zu sein. In allen Curricula steht ein fester Bestandteil: Selbsterfahrung. In den ersten Jahren, als meine Kurse kleiner waren, habe ich die Selbsterfahrung am dritten Wochenende überwiegend mit Symbolarbeit gestaltet. Es war mir eine besondere Freude, die bei Petra Hugo kennengelernte Symbolarbeit selbstpraktisch im Kurs umzusetzen.

 

 

Ich hatte damals weitaus mehr Platz in meiner Praxis, um meine vielen Schatzkästchen mit den unterschiedlichsten Symbolen zu deponieren, und es waren kleinere Kurse, sodass die ausführliche Übung, das Legen der Lebensschnur in der Gruppe, möglich war. Die Selbsterfahrung habe ich immer auf das dritte Wochenende gelegt, weil das erste Wochenende bewusst eher Theorie lastig gehalten war, um eine gute neutrale Einführung in den Kurs zu bekommen.

 

 

Das zweite Wochenende war den Themen Methoden und Kommunikation gewidmet und am dritten Wochenende, wenn der Kurs sich gut eingespielt hatte und gut vertraute, habe ich mich dann an eine ausführliche Selbstentwicklung herangewagt mit dem Kurs.

 

 

Diese große ausführliche Übung, die Lebensschnur, war für mich lange Zeit das Herzstück des Kurses, eine ganz besondere Erfahrung auch für die Kursteilnehmerinnen. Die Teilnehmer:innen legten anhand einer großen, bunten Gymnastikschnur mit vielen Höhen und Tiefen ihre Lebensschnur in den Raum und legten Symbole dazu für ihre Verluste, ihre Ressourcen, die Höhen und Tiefen in ihrem Leben. Denn sie konnten so noch mal einen Rückblick auf ihre eigene Trauerbiografie machen und würdigen, welche Verluste sie in ihrem eigenen Leben anhand ihrer eigenen Ressourcen bewältigt hatten. Je größer die Kurse wurden und je regelmäßiger ich diese Übung, die Lebensschnur, einsetzte, bei der alle Kursteilnehmer:innen anhand der gelegenen Schnüre der Symbole eine kurze Rückschau auf die wichtigsten Verlusterfahrungen in ihrem Leben machten, umso fragwürdiger wurde für mich dieses Angebot. Es gab dann auch immer mehr Kritik aus den letzten Kursen.

 

Diese Kritik bezog sich auf zwei Dinge:

 

  1. Die Übung, die Lebensschnur selbst, kann niemals praktisch in einem einfachen ehrenamtlichen Angebot eingesetzt werden, muss aber im Kurs sehr, sehr viel Raum einnehmen.
  2. Immer mehr Teilnehmerinnen merkten, dass sie dieses dritte Wochenende mit dieser intensiven Selbsterfahrung als sehr dicht, als sehr belastend erlebt haben, wenn alle Anwesenden, inzwischen eben zwölf Personen, ihre Lebensgeschichte anhand der Lebensschnur erzählten.

 

Das heißt, ich musste meinen Selbsterfahrungs-Teil im Kurs umstellen und entdeckte längerfristig mit der Schreibtherapie hier eine sehr gute Alternative. Ich stellte mir eine Liste von zehn schreibtherapeutischen Übungen zusammen, die erstens deutlich weniger Material benötigten, nämlich letztlich einfach nur Papiere und Stifte, und deswegen auch von den Kursteilnehmerinnen selbstständig später in ihren eigenen Gruppen oder Einzelbegleitungen mühelos umgesetzt werden konnten. Schreibtherapeutische Übungen haben auch den großen Vorteil, dass sie in der Onlinetherapie gut eingesetzt werden können.

 

 

Ich konnte jetzt an dem Wochenende mit Schreibtherapie mühelos einerseits sehr gute Methodenkenntnisse vermitteln, die sich weiterhin fruchtbar für die Teilnehmerinnen äußerten. Andererseits konnte ich mit den praktischen Übungen mit der Schreibtherapie eine deutlich behutsamere Selbsterfahrung anbieten, eine vorsichtigere, behutsamere Auseinandersetzung mit der eigenen Trauergeschichte, bei der die Kursteilnehmer:innen auch viel besser steuern konnten, wie tief sie noch mal hineingehen wollten oder nicht.

 

Es kam dadurch deutlich seltener im Kursverlauf zu einer Überlastung und Übermüdung des gesamten Kurses mit privaten persönlichen Inhalten. Es kam deutlich seltener zu Tränenausbrüchen, was ja vielleicht manchmal auch noch mal notwendig war, aber so gehäuft eben den gesamten Kurs sehr angestrengt hat. Der methodische Gewinn und Benefit für den Kurs waren deutlich besser.

 

 

Jetzt gehe ich sogar inzwischen so vor, dass ich die Symbolarbeit, obwohl ich sie sehr, sehr liebe, für mich nur noch relativ kurz anreiße als eine Methode mit ein paar kleinen, eng umgrenzten Übungen, weil sie doch sehr, sehr viel Deutungserfahrung voraussetzt im Sinne der tiefenpsychologischen Symboldeutung und weil sie ja auch sehr viel Material voraussetzt.

 

Wenn ich überlege, welche Schätze immer noch in meinen Symbolkisten lagern, an Schnüren, an Knopfkisten, an kleinen und großen Plüschtieren, an spirituellen Symbolen, Playmobilfiguren, Überraschungseierfiguren, Wollknäuel, kleinen Spiegeln, kleinen Alltagsgegenständen… Bis ich mir diese Symbolsammlung aufgebaut habe, waren es allein drei, vier Jahre und ich habe auch von jedem Kurs noch was dazu geschenkt bekommen, was ich besonders reizvoll und liebevoll fand.

 

 

Ich bedauere es etwas, dass sich die Symbolarbeit deutlich reduziert hat im Kurs, aber letztlich können die ehrenamtlichen Trauerbegleiter und Trauerbegleiterin des Grundlagenkurses Trauerbegleitung diese sehr umfangreichen, komplexen Übungen viel, viel seltener einsetzen und sie gehören eigentlich eher in die große Basisqualifikation. Die Schreibtherapie hingegen kann auch mit deutlich weniger Material und Kenntnissen gut eingesetzt werden.

 

Ich bin meinen beiden Lehrerinnen Petra Hugo und Christel Ortwein sehr dankbar, selbst die Symbolarbeit sehr gründlich kennengelernt zu haben und setze sie immer wieder gerne ein in meinen Beratungen, in meinen Coachings, Gruppen und auch in meiner Frauenritualarbeit.

 

Wenn Du Dich für die Anwendung der Schreibtherapie in der Trauerbegleitung interessierst, kannst Du das beim nächsten Trauerbegleitung Auffrischungstag am 29.8.2026 kennen lernen, er handelt vom Umgang mit schwierigen Gefühlen in der Trauerbegleitung. Nähere Informationen findest Du hier!

 

Wenn Du einen kurzen Onlinekurs zur Einführung in die Symbolarbeit buchen willst, findest Du diesen Kurs hier!

 

Eine ganz wichtige Grundlage meiner Selbsterfahrungsarbeit ist, dass jede und jeder jede Übung auslassen kann oder abbrechen kann. Niemand sollte hier meiner Meinung nach zu einer Übung gezwungen werden. Trauer ist etwas sehr entgrenzendes. Die Wahrung der Grenzen meiner Teilnehmer:innen ist mir sehr wichtig.

 

 

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